Das Glasperlenspiel
Erfüllt meine Zeit,
Am letzten schönen Septembertag,
Auf dieser duftenden Bergwiese,
In einem roten Meer,
Erregt vom Leuchten des Klatschmohns,
Dem spielenden Paar am Rande der Waldlichtung.
Die weichen Konturen,
Des nackten Weibes,
Vor der Schwärze des gähnenden Waldes,
Treiben dem getarnten Voyeuren
Den Saft durch das Mark,
Verdrängt vom Treiben der Enthemmten,
Wird das was vor Momenten die Zeit noch gefüllt.
Mit wildem Gezwitscher,
Noch eh sie sich paaren,
Verschlägt's Ihn im dunklen Waldesschlund,
Naht eiligen Schritt's das hitzige Weib,
Einbrechend in die Tarnung,
Überrascht sie den bebenden Spanner,
Schaut belustigt mir in mein glühend Gesicht.
Was sich mir eröffnet,
Kann ich nicht glauben,
Eine Frau so schön wie die Königin der Feen.
Schwarz seidenes Haar fällt auf Ihre Brüste,
Zwei stramme weiße Hügel,
Schwingen fordernd hinauf in zwei zarte Gipfel,
Schlagen mir die Augen in ihren Bann.
Dann wage ich es,
Treffe ihre Augen,
Zwei Wasser so tief wie das Parzifische Meer,
Eine Elfennase mit bebenden Flügeln;
Ein lustgefüllter Mund
Umschließt leicht geöffnet eine fordernde Zunge,
Die zuckend mich einläd zu einem üppigen Mal.
Eh ich mich besinn'
Sinkt sie zu mir runter,
Umschließen ihre Brüste mein heißes Gesicht.
Meine Sinne zieh 'n gierig den Rausch ihres Duftes,
Zerberst´ ich vor Lust.
Ihre schmeichelnden Finger öffnen all meine Kleider,
Einen Augenblick nur und wir beide sind gleich.
Wie ein brennender Ball
Durch den roten Teppich,
Rollt der Engel der Lust mit mir in das Tal,
In das ein ästhetischer Gott der Liebe,
Alle Wünsche erfüllt.
Dann lösen wir uns aus der wilden Umarmung,
Mess' mit den Lippen jeden Zoll ihrer Haut.
Mit berstender Spannung,
In Ruhe gezähmt,
Senke ich meine Lippen in Ihren wartenden Schoß.
Trinke aus dem weichen Becher der Lust
Den berauschenden Wein.
Koste die Versprechung der gefüllten Feige,
Ergebe mich völlig im Eden der Lust.
Genieße die Speisen,
Dieser Fee aller Lüste,
Von der Tafel der Labsal die sie reichlich gedeckt,
Nehme endlich all die Gaben die sie spendet,
Lasse keinen Rest.
Friedlich vereint in den roten Teppich unsrer Liebe,
Erfüllt sich die Botschaft des wirklichen Glücks.
Das Glasperlenspiel
Erfüllt wieder die Zeit.
Ein friedlicher Wind beugt all die roten Köpfe,
Die Zeit fließt in die nahende Nacht.
Das Paar zog fort,
Vor fünfzig Jahren begann hier ihre Liebe,
Am Morgen pflanz' ich frischen Klatschmohn auf ihr Grab.
© Erich Romberg, September 1999