[Erläuterungen]

Depressionen

Nebelschleicher, graue Welten,
und dahinter:
Nichtigkeiten!
Höflichkeit, freundliches Lächeln,
Hinter der Fassade:
Nichtigkeiten!
Treue, Glaube, Vernunft und Liebe:
Nichtigkeiten! Nichtigkeiten!

© Erich Romberg, 1974

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Versuch einer Freundschaft

Ich treffe einen Menschen,
Suche seine Seele;
Betrachte diesen Menschen
Und sehe seine Maske.
Die Zeit vergeht,
Ich glaube ihn zu verstehen;
Dann fällt mir auf:
Ich kann den Menschen nicht sehen.
Versuche ich ihm
Die Maske zu nehmen,
Fehlt mir die Kraft, das Letzte zu geben.
Frage ich mich:
Konnte er dich sehen?
Deine Maske durchdringen?
Deine Worte verstehen?
Oder ist er wie du?
Ohne Hoffnung,
Voller Resignation.

© Erich Romberg, 1974

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Gibt es einen Menschen?

Gibt es einen Menschen?
Unter all diesen zahllosen menschenähnlichen Masken;
Ein Gesicht?
Dessen Lachen nicht nur aufgeschminkt;
Ein echtes Weinen?
Unter all diesem Geklage und Geheule;
Echte Anteilnahme?
Die nicht nach Gleichgültigkeit und Opportunismus stinkt.
Gibt es einen Menschen?
Unter all diesen zahllosen glotzenden Masken,
So reiß ihm die Maske vom Gesicht,
Zerschlage die Fassade;
Wenn Du kannst;
Wenn es Dir gelingt,
Der eigenen zu entkommen.

©  Erich Romberg, 1974

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Stummer Hilferuf

Masken glotzen mich an!
Keine Träne!
Wir sind uns fremd.
Auch ich eine Maske?
Ich möchte weinen.
Keine Träne!
Auch ich eine Maske??
Ich weine,
Hilflosigkeit.
Man versteht mich nicht.
Ihr weint nicht mit mir.
Masken glotzen mich an!
Keine Träne!
Hilflosigkeit?
Ich rufe um Hilfe!
Kein Wort!
Man versteht mich nicht.
Masken glotzen mich an!
Ich bin allein!
Ihr tröstet mich;
Hilflosigkeit?
Ich höre Eure Hilferufe;
Könnt' ich Euch doch die Masken vom Gesicht reißen;
Euch befreien,
Mich befreien;
Hilflosigkeit!

© Erich Romberg, August 1974

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Nur nicht trauern

Lache!
Auch wenn's Dir zum Weinen ist,
Zeig nicht Gefühle!
Man versteht sie nicht.
Lache!
Und man lacht mit Dir,
Auch wenn's Dir zum Lachen nicht zumute ist.
Lache!
Denn wenn Du weinst,
Bemerkst Du Deine Einsamkeit.

© Erich Romberg, August 1974

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Herrscher über die Natur

Gewaltig sich die Menschen fühlen,
Als Beherrscher der Natur,
Leben, geben, Leben nehmen,
Frei entfalten ihre Gier.

Die Ressourcen dieser Erde,
Raubt er ohne Skrupel aus,
Unerschöpflich diese scheinen,
Auch wenn Verstand ihn Bess' res lehrt.

Bess' res Wissen ihn nicht prägt,
Egoismus hat ihn vorbestimmt,
Setzt ihn an Verstandes Statt,
Nennt' s Wirtschaftliche Interessen.

Natur den Profiteur nicht kümmert,
Bedenkt nicht seiner Enkel Welt;
Menschen Vergehn' gegen Natur,
Trifft am End' ihn selber nur.

© Erich Romberg, August 1974

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Träume

Nicht weit sind diese Zeiten,
Hinreichend um zu sehn;
Die Schatten jener frühen Jahre,
Nicht weit genug um zu versteh 'n.

Des Lebens erste eigne Schritte,
Optimismus! nichts ihn brechen macht,
Träume von manch großen Taten,
Für diese sich so vieles wagt.

Verzehrt wurd' noch in tiefen Zügen,
So unerschöpflich wie es schien,
Leben und Kraft, manch' Ideal,
erträumt, erkämpft und treu geglaubt.

Vorbei die Zeit!
Erinnerung prägt die Kreatur,
Von all den Utopien der Jugend,
Bleiben Schatten der Erinnerung nur.

© Erich Romberg, August 1988

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Der Krieg

Längst wähnte ich vergessen,
Den Ungeist dieser früh' ren Jahre;
Verbannt all diese hohlen Phrasen
Vom Heldentod und Feld der Ehre.
Im Angesicht des Massensterbens,
Um Oel und wirtschaftliche Macht,
Sind Helden wieder neugeboren,
Lautheit und Dummheit auferstanden.

© Erich Romberg, Mai 1991 (Zum Golfkrieg)

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Die Natur hat Zeit

Gebettet in Myriaden Jahren,
Leben Erde und Natur.
Die Menschheit, eine Episode,
Die selbst sich ad absurdum führt.

Einsam existieren Welten,
Geflochten in ein großes Netz.
Am Rande eines Universums,
Die Erde sich ins Ganze setzt.
Geboren als ein Teil der Sonne,
Wird in der Sonne sie vergehen.
Der Mensch kam lange nach dem Anfang,
Wird lange vor dem Ende geh'n.

Verbrennt die Erde,
Zerstört ihr Gesicht,
Erschlagt Euch nur selber,
Die Natur schaft Ihr nicht;
Denn die Natur hat Zeit!

Die Erde, kleiner Rest Materie,
Ein Staubkorn im unendlichen All.
Ein winziger Teil im Teil des Ganzen,
Ein großes Wunder im Detail.

Das Leben, es ist einzigartig,
Selten nur im Raum und Zeit.
Es hat sich ein System geschaffen,
Das selber in sich selbst gedeiht.

Das Miteinander der Systeme,
Abhängigkeit Geburt und Tod.
Die Weisheit von Millionen Jahren
Der Mensch nun selbst zu Grabe trägt.

Verbrennt die Erde,
Zerstört ihr Gesicht,
Erschlagt Euch nur selber,
Die Natur schaft Ihr nicht;
Denn die Natur hat Zeit!

©  Erich Romberg, Mai 1991

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Teufelskreis

Nicht Zeit, nicht Geld,
Keinen Wunsch dieser Welt,
Keine Seele, die Du verstehst,
Keinen Abgrund, dem Du entgehst,
Keinen Wert den Du schätzt,
Niemals weißt, wen Du verletzt,
Nicht bekommst, was Du nicht gibst,
Nicht besitzt, was Du betrügst,
Am Ende Dich nur selbst belügst.

© Erich Romberg, Mai 1991

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Dilemma

Das was ich brauch',
Das krieg' ich nicht.
Was ich bekomme,
Brauch' ich nicht,
Mich erhält,
Was mich zerbricht!

© Erich Romberg, Mai 1991

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Vergeudet

Begrenzt in Zeit und Raum,
Vergehen Tag und Jahr.
Ein Menschenalter, Hauch des Lebens,
Endet, bevor es recht begann.
Sind uns'rer Sterblichkeit bewusst,
Vergeuden doch die Zeit ,
So man meinen könnt',
wir haben genug davon.

© Erich Romberg, 28. Mai 1991

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Zerstreuung oder Sammlung

Versuche nicht den Sinn zu täuschen
In Kurzweil ohne Ziel;
Sie ist verwandt mit Einsamkeit,
Geboren aus der Unfähigkeit,
Besinnung in sich selbst zu finden.

© Erich Romberg, April 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Auf dem falschen Weg

Ich mag nicht auf den Wogen gleiten,
Die im trügerischen Schein,
Und mit rauschendem Gewande,
Nur den Abgrund überfluten,
In dem meine Seele enden muss.

©  Erich Romberg, April 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Wollust des seelischen Schmerzes

Es gibt eine Droge,
Stärker als Liebe,
Berauschender als Alkohol,
Zerstörender als Heroin,
Die im Wirren der Gefühle,
Auf dem Gipfel aller Triebe,
Im Schmerz die Erfüllung bringt!

©  Erich Romberg, April 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Der Abgrund

Man kann dem Abgrund nicht entgehen,
Seinem Sog sich nicht entziehen,
Glaubt sich noch auf sich'rem Pfad,
Segeln noch auf ruhigem Wasser,
Sieht aus seiner Perspektive,
Nur den unmittelbaren Weg.
Sind es doch nur wenige Schritte,
Dann bricht der bunte Asphalt ein,
Begraben liegen Wunsch und Hoffnung,
Unter schlackigem Gestein.

©  Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Macht und Ohnmacht der Liebe

Liebe;
Naturgewalt!
Leben 's strahlendstes Juwel;
Verspielt!
Du Höhepunkt der Leidenschaften;
Zerstört!
Grausamer Geist,
Was treibst Du?,
Der die größten Schmerzen dem zufügt,
Den am innigsten er liebt.

©  Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Kameraden der Freiheit

Uns durchdringt ein Strom derselben Quelle.
Nicht Band, nicht Kette je zu halten mag,
Der Freiheit kräft' gen Flügelschwingen,
Den Drang sich ständig zu bewegen,
Zu suchen nach dem Ruhepol,
Der auch nur dann Erfüllung bringt,
Wenn er nicht sucht uns anzubinden.

© Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Vergänglichkeit

Ich sitzt' und denk';
Kein Licht!
Starre in das Dunkel;
Seh' den Untergrund nicht!
Stürze mich doch ins Ungewisse,
Find' allein im Augenblick,
Die Erfüllung, die erquickt.

©  Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Chaos

Achte das Chaos in der Seele,
Wert' es als unschätzbares Gut.
Erkenn' die Mutter der Gesetze,
An als Born im Weltsystem.
Wer an Ordnung in sich glaubet,
Fühlet bald wie schwer es ist,
Etwas in sich auszurichten,
Was es in ihm gar nicht gibt.

©  Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Unterhaltung

Einer redet;
Keiner hört zu!
Drei reden;
Keiner hört zu!
Alle reden;
Alle hören zu!
Jeder sich selbst.

©  Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Vorurteil

Was sich im Dunklen an Dich wagt,
Und sich Deiner ganz bemächtigt.
Was sich Dir zeigt und dennoch schweigt;
Die Seele tötet, das Herz versiegelt;
Verständnis schon im Keim erstickt;
Vollends von Dir Besitz ergreift;
Des Vorurteils Erbärmlichkeit!

©  Erich Romberg, Mai 1993

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]


Zwischen zwei Welten

Sitze wieder
auf einsamer Fahrt
zwischen zwei Welten;

lockend die Ferne
mit brennend Verlangen
die Heimat naht;

sehe rauschen
in Schillernden Farben
den Strom fremder Menschen;

zieht mir die Ferne
in bangem Erwarten,
die Heimat davon;

bleibt eine Seele
in engem Leibe
bei Dir mein Mayo;

zieht eine Seele,
die Sprache der Mutter
nach Deutschland mich fort.

Sitze wieder
zwischen zwei Welten
auf einsamer Fahrt;

komm in die Heimat,
in menschlicher Fremde
meine Wurzeln sind.

Höre den Dichter,
für drei schöne Stunden
gehört ihm mein Herz.

Grüßt nicht der Nachbar
im Lande der Mutter:
Den Flur nicht geputzt.

Geschriebene Gedanken,
gelesen vor Fremden,
die Freunde sind';

fühle im Herzen
bewegt die Geschichte
der unbekannten Dichterin;

drollige Aktionen
der Laientruppe
erquicken das Herz.

Trinke wieder
in verrauchten Kneipen
zu viel Bier;

lautes Geschreie,
dummes Geschwatze,
trinke mehr Bier;

höre mich reden
In Mutters Sprache,
die niemand versteht;

Kann noch nicht gehen,
muss weiter bleiben,
Dummwitz beherrscht,

immerfort trinken
noch tiefer sinken,
die Seele gequält.

Sitze wieder
zwischen zwei Welten
auf fröhlicher Fahrt;

Fühle innig
ein freudig Verlangen
nach Dir mein Mayo;

lodernde Sehnsucht,
flackerndes Feuer,
brennt in der Brust;

liebende Freunde
in die Arme geschlossen
Zuhaus in Mayo;

höre die Worte
aus einfachen Seelen
Welcome Home!

Werde dennoch verbleiben
mit brennender Seele
zwischen zwei Welten.

©  Erich Romberg, 1997

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Knock Airport

Entkommen dem schrecklichen Provisorium,
Ein vom Feuer verwüsteter Flughafen;
Das Klima so düster wie meine Empfindungen.
Nun stehe ich auf dem Airport von Knock,
Dieses heilige Wunder von Mayo.
Ein rauher Wind fegt durch mein Gesicht.
Die salzige Frische erzählt vom nahen Atlantik.
Die Luft ist klar, um mich herum die Hills von Mayo.
Eine strahlende Sonne;
Die schöner ich nie erlebte,
Ruft mir zu: "welcome home".
Ich warte auf meinen Koffer;
Die Tränen laufen mir über das Gesicht,
Weil Vergleichbares habe ich nie gesehen.
Ich laufe ins Freie,
Suche den salzigen Wind und die Hills von Mayo,
Höre die geheimnisvolle Stimme Irlands,
Sie ruft mir zu: "welcome home".

©  Erich Romberg, 1996

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Knock Airport

Escaped from that terrible provisional arrangement
of fire ravaged airport of Düsseldorf,
The atmosphere as sinister as my impressions.
I am on Knock Airport now,
These sacred miracle of Mayo.
A rough wind sweeps around my face.
The salty freshness tells about the near Atlantic Sea.
The air is fair, around me the hills of Mayo.
A glare sun;
so beautiful I have never her seen
shouts: "welcome home".
I am waiting in the baggage area.
Tears trickle over my face
for more beauty I have never seen.
I am pursuing outdoors,
Looking for the salty wind and these hills of Mayo;
Listening to this mysterious voice of Ireland,
Calling: "welcome home".

© Erich Romberg, 1996

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Mütter, Töchter und andere Frauen

Ein Mann um Zwanzig
Sollte eine Mutter haben,
Oder eine Geliebte,
Die so alt, wie seine Mutter wäre.

Ein Mann über Dreißig
Sollte einen Freund haben,
Oder eine Frau,
Die so treu, wie sein Freund wäre.

Ein Mann über Vierzig
Sollte Mätressen haben,
Oder eine Geliebte,
Die so sinnlich, wie seine Mätressen wäre.

Ein Mann um Fünfzig
Sollte Töchter haben,
Oder Freundinnen,
Die so jung, wie seine Töchter wären.

Ein Mann jeden Alters
Sollte eine Frau haben,
Oder eine Utopie,
Die so real, wie seine Wünsche wäre.

© April 1998
[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Das Halbe und das Ganze

Kann man ganz geben,
Sich dem, den man nur halb haben kann?
Sich halb geben,
Dem man ganz gehören will?
Lässt sich halb opfern,
Das Stück, das man ganz töten muss?
Ist halb zu pflegen,
Jener Anteil, den man im Ganzen erhalten möchte?
Ist halb ja und halb nein
Die Hälfte von allem?
Oder Alles?
Oder nichts??

©  Erich Romberg, Mai 1998

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Warum?

Ich habe kein Ziel,
kein Geld,
kein Gefühl;

Mir fehlt die Gewalt,
die Liebe,
der Hass;

Ich lebe im Wald,
im Feld,
in der Stadt;

Ich glaube an Gott,
An alles,
an Nichts;

Ich gebe mein Leben,
meine Seele,
Mein Glück;

Ich fliege zum Mars,
zur Venus
und zurück;

Ich lebe mein Leben,
mein Drama,
mein Geschick;

Ich vergehe,
verwehe
und will nicht zurück.

© Erich Romberg, Juni 1998

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Die kleine Bucht am Atlantik

Mit geschlossenen Augen sitze ich lauschend im Sand,
Folge den klatschenden Wogen der Flut;
Dem heulenden Fauchen des Windes in dieser kleinen Bucht am Atlantik,
Eine unheimliche Resonanz der Phänomene in meiner Brust.

Ich schwinge schwebend in der Response meiner Seele,
Vergesse die Zeit den Raum und das Ich;
Verwoben im Wind, gelöst im schäumenden Wasser der brechenden Wellen,
Vollzieht sich das Scheiden der Mutter aus dieser Welt.

Nichts zieht mich zum Grab, zur Asche der Mutter,
Werde ich dort ihre Seele nicht finden;
Strömt sie doch hier aus allen Sphären in dieser kleinen Bucht,
Durchflutet vom Atem der Natur bewältige ich meine Trauer

Die Augen noch geschlossen sitze ich friedlich im Sand,
Fühle mich eins mit Mutter und Natur;
Offenbart sich die Gnade des Kommens und Gehens in dieser Welt,
Versteh' die Präferenz, die das Leben uns gab.

©  Erich Romberg, Juni 1998

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

In der Stille der Nacht

Und wieder neigt ein Tag sich zum Ende
Zerronnen im wunschlosen Treiben des Nichts;
Senkt sich die Stille, das Dunkel im Reigen
Fügt Grau sich an Grau im Sein dieser Welt.

Sitze im Dämmern fühl' bleiern das Dunkel,
Verhüllend mein Sein im wunschlosen Nichts;
Verloren im Grab meiner endlosen Seele
Ruh' n die Gebeine des Morgens darin.

Verweile im Finstern scheu' ahnend das Licht,
Dies Medium der Wahrheit voll Trauer und Schmerz;
In lähmender Stille ergießt aus eisigem Dunkel
Die schützende Flut sich aus dem Lethestrom.

Und treibend im wunschlosen Nichts dieser Nacht
Dringt aus der Tiefe des Stroms ein mir seltsamer Ton;
Treffend ins Mark legt krampfend ums Herz
Sich die Melodie des Todes in der Stille der Nacht.

Spüre die Geister aus grauer Zeit sich erheben,
Grausame Fratzen aus dem wunschlosen Nichts;
Kann ich dem Sog aus der Tiefe nicht trotzen
Verkralle mich krampfend am Rande des Seins.

Gevatter was willst Du, ich geb' Dir mein Leben
Entrissen ist mir doch der Schutz dieser Nacht;
Spür ich die Klaue in meinen 'Geweiden
Gefriert der kalte Stahl in meinem Herzen das Blut.

Gefangen im Netz meines tonlosen Schreiens
Zerquetscht die Tarantel meinen schutzlosen Leib,
Entzieht mir saugend den Hauch meines Lebens
Tauch' ich ergeben in der Stille der Nacht.

Fühl' ich heut' Nacht weder Schmerz noch Trauer,
Kümmert mich nicht mein eigener Tod;
Geh hin Gevatter, kannst getrost nun lösen
Die Klaue und zieh'n den Stahl aus mein Herz.

Der Morgen graut, es neigt sich zum Ende
Das wunschlose Treiben im grausamen Nichts;
Erblicke im ersten Schein uns' rer Sonne
Den geschundenen Leib, das gequälte Gesicht.

Bin ich Gevatter Dir doch entronnen,
Überflutet die Lethe sanft mir mein Haupt;
Vergessen die Qual überwunden die Stille,
Die Trauer, der Schmerz, der Tod dieser Nacht.

©  Erich Romberg, September 1998

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Wasser

Ich sitze im Bad
Warm umschmeichelt vom Wasser,
Dies Medium der Wahrheit
Umschließt meinen Leib.

Ich fühle mich leicht,
Doch ein wenig benommen,
Von der Fülle der Wollust
Im berauschenden Bad.

Dringt aus der Tiefe
Der Seele das Schreien,
Die Lust aus dem Kinde,
Die Gier und der Schmerz.

Verliert in der Flut
Die Wahrheit den Schrecken,
Die verkümmerte Seele
Erlebt hier das Licht.

Ich fühle die Bilder
Aus grauer Zeit sich erheben;
Ich schwimme im Schweiße
Der vergessenen Zeit.

Ertrinkend im Safte
Des ewigen Lebens,
Verschrumpelt mein Leib
In der Lethe des Seins.

Schwimmt meine Seele
Auf dem Grab des Vergessens,
Stößt der Bestatter
Meinen Leib in den Sand.

Erfüllt aus dem All
Eine Fee meine Wünsche,
Zerschlägt der Gigant
Aus der Tiefe den Feind.

Begibt sich die Weisheit
Des Lebens in das Wasser,
Erfüllt eine Kraft
Die Sphäre des Raums.

Lässt sich im Dunkel
Meiner endlosen Träume,
Jener Geist nicht finden,
Der meine Seele umspinnt.

Erhebe mich triefend
Aus der Liebe des Wassers,
Verliere in der Macht
Meiner Sinne den Sinn.

Leg' mich zum Sterben
Auf das Kissen der Heimat,
Vergehe im Wind,
Werde begraben am Meer.

©   Erich Romberg, November 1998

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Freunde und Feinde

Es erhebt aus dem Staub
Sich der Soldat des Königs,
Verloren die Schlacht,
Den Mut keineswegs;
Kämpft er doch
Im Sinne der Freiheit,
Schleppt sich zum Feind
Doch der Gegner gewinnt.

Im Leibe da schmerzt
Die Klinge des Feindes,
Es blutet das Herz
Im Schatten der Nacht.
Vorwärts Soldat!
Wir verlieren die Schlacht
Und all unsre Mannen,
Den Krieg keineswegs.

Es schleppt der Soldat
Sich durch den klebrigen Boden,
Verloren den Halt,
Den Glauben, die Kraft.
Denkt er noch
in der Stille die Wahrheit,
Singt laut bereits
Des Feindes Lied.

Sitzt im Salon,
Der König des Soldaten,
Verliert sich im Wirren
Des blutigen Spiels.
Zieht auf dem Brett er,
All die Figuren seines Glaubens,
Erliegt im Wahn
Eines Herrschers dem Trug.

Verkündet laut
Der Herold das Sterben,
Die Qual des Soldaten,
Sein Elend, die Treu.
Fühlt sich der König
Im Anblick des Grauens,
In all seiner Liebe
Zum Soldaten nicht wohl.

Es stibt im Morast,
Der letzte Soldat des Königs,
Enthauptet vom Feind,
Dessen Lied er schon sang.
Begraben im Schlamm
Liegt all seine Treue,
Der Betrug an sein Leben
Durch den König und den Feind.

©  Erich Romberg, November 1998

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Der Mörder

Ich hasse Dich!
All das Laute,
Den Ungeist,
Die Oberflächlichkeit.

Ich töte Dich!
Die Ignoranz,
Den Unverstand
Die Kurzsichtigkeit.

Ich erwürge Dich!
Ersticke die Lust,
Ertränke die Dummheit,
Stranguliere den Schmerz.

Ich breche Dir den Leib auf!
Reiße Dein Herz 'raus,
Zerstoße Dich auf dem Grunde,
Verbrenne Deinen toten Leib.

Ich zerstöre Dein Gedenken!
Verbrenne Deine Bilder,
Zertrümm're das Register,
Und töte Deinen letzten Freund.

Ich liege am Boden;
Kann dem Sog nicht entkommen,
Sterbe einsam im Felde,
Sieche blutend dahin.

Zwischen blühendem Klatschmohn,
Verfaul ich am Leibe,
Richten den Mörder,
Geziefer und Wurm.

© 1998
[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Selbsttäuschung

Ich mag Deine Intelligenz
Und wie Du mit meinen Geschäftsfreunden Dich unterhältst,
Deine Abgeklärtheit,
Deine Klugheit.

Ich bin verlogen
Und werde wahnsinnig beim Anblick Deiner Brüste,
Verliere den Verstand,
Bin hoffnungslos verfallen.

Ich bewundere Deine Eleganz
Und die Art wie Du in der Gesellschaft Dich bewegst,
Deinen Charme,
Deine Angemessenheit.

Mein Herz flimmert,
Mir bricht der Schweiß aus, wenn ich Deinen geilen Hintern sehe,
Werde zum Tier,
Mutiere zum Monster.

Ich liebe Deine inneren Werte,
Die Sanftmut, mit der Du selbst den Gebeutelten noch Trost spendest,
Deine Liebenswürdigkeit,
Dein angenehmes Wesen.

Mich betäuben Deine Hüften.
Bei Deinem Geruch geraten meine Hormone in Ekstase,
Ich begehre Dich,
Verzehre Deinen Leib.

Ich hänge an Deinen Lippen,
Und werde Dein blödes Geschwätz ertragen.
Kein Mann
Hört Deine Worte.

Ich bin stolz auf Deine Erscheinung
Und auf die Würde Deiner Ausstrahlung auf meine Freunde,
Deine Lebendigkeit,
Deine übersicht.

Ich bin ein Junkie,
Ein eingeschworener Sklave meiner Testosterone,
Werde gelegentlich denken,
Meine Ratio verrenken.

So bleibt alles beim Alten,
Dein Körper wird Deine Dummheit maskieren,
In der Welt der Männer
Hast Du Niveau.

Ich werde verharren,
Weiter lüstern Deinen Körper begehren,
Deine Geilheit manieren,
Den Sex akademisieren.

©  Erich Romberg, März 1999

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Der graue Tod

Kalt wächst der Nebel
Auf dem Plateau vor dem Hang,
Aus dem grauen See ragt
Ein verletzter Gigant.
Stahlummantelt und stolz
Einst, würdig und stark
Verkündete er Arbeit
Und Lohn für das Tal.

Nicht innig geliebt
Von den Menschen im Land,
Mit hochmütigem Stolz
Warb er der Darbenden Zoll.
Betagt nun an Jahren
Birst einsam und still,
Gealterte Haut heut',
Bringt Tod für das Tal.

Leicht stöhnend entlässt
Er die giftige Last,
Speit in den Nebel er
Das tückische Gas.
Mit steigender Höhe
Und wachsender Macht,
Fließt der kalte Odem
Vom Plateau in den Hang.

Schwer und behäbig
Rollt die graue Masse vom Hang,
Wälzt einsam und listig
Sich ins finstere Tal.
Friedlich noch schlummert
Die kleine Stadt in der Furt
Erreicht der Gevatter
Bereits den unsel'gen Ort.

Pedantisch verteilt
Der graue Tod sich im Tal,
Begräbt all' Hoffnung
Erstickt Liebe und Qual.
über Stunden erstreckt
Sich Das schau'rige Spiel,
Drängt in jede öffnung
Erreicht stets sein Ziel.

Nicht viele Stunden
Bevor die Posaune ertönt
Erklang fröhlich Lachen
Aus manch' Kindermund.
Säumten Musikanten
In warmer Sommernacht,
Jene Straßen und Plätze,
Diesen Brunnen vor der Stadt.

Auf jenen Bänken
Der Promenade in der Stadt
Schnäbelte manch' Pärchen
Verliebt in langer Nacht.
Fröhlich noch tobte
Das pralle Leben im Tal,
Floss schon der Tod
Vom Plateau vor dem Hang.

Bald strebte all' Treiben
In die Ruhe der Nacht,
Begab in den Schlaf sich
Aus dem niemand erwacht'.
Zum letzten Mal ertönte
In dieser kleinen Stadt
Das helle Lachen eines Kindes
Bevor der Tod es zerbrach.

©  Erich Romberg, März 1999

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Vermüllen der Zeit

Soll ich weiter leben
Als Verschwender der Zeit?,
Dieses kostbare Kleinod
Das sich nicht erneuern lässt.

Habe ich meine Aufgabe
Die vom Sein mir gegeben
Schon gänzlich erfüllt?
Bin ich am Ende, und tot?

Und meine Träume?,
Die so überschwenglich blühten
In meinen frühen Jahren,
Wieviele habe ich gelebt?

Habe mit Wollust getrunken
Aus kalten leeren Bechern;
Vermüllt die Stunden
Auf der Deponie des Selbstbetrugs.

Ist ein Sinn gegeben
Für meine Selbstgefälligkeit?,
Dieses nutzlose Futter
Für den zeitfressenden Drachen.

Hat sich die Liebe
Dem Schmerz untergeben?,
Ist das Wünschen
Von Begehren versklavt?

Sei der Trieb meiner Unruh'
Der Anfang des Weges,
In eine Welt,
die meine Träume erfüllt.

Meine Sehnsucht zu sterben
Hält mich am Leben,
Dieses Dilemma
Ist der Quell' meines Seins.

Der Zwang zur Bilanz
Meines unsteten Lebens,
Zeigt mir Resourcen,
Welche die Zeit noch lässt

©  Erich Romberg, August 1999

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Beziehungen

Bin ich liebenswert?,
Oder nur Jemand,
Dem man alles lässt
Aber nichts gibt.

Was habe ich gegeben
Für einen Freund?,
Der alles vergisst,
Wenn ich in Not bin.

Zu wem werde ich eilen,
Wenn er mich ruft?,
Im Vertrauen darauf,
Ich wäre sein Freund.

Warum ist mein Bauch
Von Zweifeln gefüllt?
Welcher Ungeist
Zerstört mein Vertrau'n?

Ist das Erwachen
Meiner kindlichen Seele,
Die Einfalt des Alten
Oder Weisheit des Greis'?

Gibt es Erfüllung
Der brennenden Wünsche?
Oder sind wir nur Fraß
Des allmächtigen Gott's?

Kann ich noch weinen,
Um verlorene Liebe?,
Und Schmerz empfinden,
Für verspielte Treu?

Du elender Gott
Was tust Du uns an?
Welche Wollust erfüllt Dich,
Bei unserem Schmerz?

Soll ich deswegen
Dem Teufel vertraun'?,
Nur weil ich Dich hasse,
Mich selbst nicht lieben kann.

Ich werd für Dich beten
Wie für einen Freund,
Der so hilflos ist
Wie ich selbst.

©  Erich Romberg, August 1999

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Ziele

Wie töricht unser Trachten,
Die eine Welt von aussen zu begreifen,
Tausend' von ihnen in uns leben,
Um sie tausendmal,
An jedem Tage neu zu schaffen.

Von Drachen und Dämonen
Weiß die Welt uns nichts zu sagen,
Erst in uns finden wir das Wunder,
Um uns're karge Welt,
Mit neuen Wesen zu befrachten.

Sollen wir in diesem Leben,
Uns mit Frust und Arbeit plagen,
Können doch mit Phantasie,
Sowie etwas Ignoranz,
Im Diesseits schon den Himmel haben.

© Erich Romberg, August 1999

[Erläuterungen]
[Zum Anfang]

Die Gebeine der Kinder

Tobender Frust,
Schreiende Meute
Gefesselt im Wirtshaus.

Sprühendes Gift,
Verwelkende Fratzen,
Zertreten den Zecher.

Blanke Gewalt,
In Bürgergestalt,
Entlarvt den Verbrecher.

Triefende Moral,
Verdunkelt den Saal,
Schlachtet das Kind!

Fette Weiber,
Stinkende Männer,
Lynchen den Penner.

Gerechte Bekenner,
Begraben die Beute,
Errichten den Stein.

"Hier ruhen Kinder,
Von Vater und Mutter,
Nicht geliebt."

© Erich Romberg, September 1999

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Roter Klatschmohn

Das Glasperlenspiel
Erfüllt meine Zeit,
Am letzten schönen Septembertag,
Auf dieser duftenden Bergwiese,
In einem roten Meer,
Erregt vom Leuchten des Klatschmohns,
Dem spielenden Paar am Rande der Waldlichtung.

Die weichen Konturen,
Des nackten Weibes,
Vor der Schwärze des gähnenden Waldes,
Treiben dem getarnten Voyeuren
Den Saft durch das Mark,
Verdrängt vom Treiben der Enthemmten,
Wird das was vor Momenten die Zeit noch gefüllt.

Mit wildem Gezwitscher,
Noch eh sie sich paaren,
Verschlägt's Ihn im dunklen Waldesschlund,
Naht eiligen Schritt's das hitzige Weib,
Einbrechend in die Tarnung,
Überrascht sie den bebenden Spanner,
Schaut belustigt mir in mein glühend Gesicht.

Was sich mir eröffnet,
Kann ich nicht glauben,
Eine Frau so schön wie die Königin der Feen.
Schwarz seidenes Haar fällt auf Ihre Brüste,
Zwei stramme weiße Hügel,
Schwingen fordernd hinauf in zwei zarte Gipfel,
Schlagen mir die Augen in ihren Bann.

Dann wage ich es,
Treffe ihre Augen,
Zwei Wasser so tief wie das Parzifische Meer,
Eine Elfennase mit bebenden Flügeln;
Ein lustgefüllter Mund
Umschließt leicht geöffnet eine fordernde Zunge,
Die zuckend mich einläd zu einem üppigen Mal.

Eh ich mich besinn'
Sinkt sie zu mir runter,
Umschließen ihre Brüste mein heißes Gesicht.
Meine Sinne zieh 'n gierig den Rausch ihres Duftes,
Zerberst´ ich vor Lust.
Ihre schmeichelnden Finger öffnen all meine Kleider,
Einen Augenblick nur und wir beide sind gleich.

Wie ein brennender Ball
Durch den roten Teppich,
Rollt der Engel der Lust mit mir in das Tal,
In das ein ästhetischer Gott der Liebe,
Alle Wünsche erfüllt.
Dann lösen wir uns aus der wilden Umarmung,
Mess' mit den Lippen jeden Zoll ihrer Haut.

Mit berstender Spannung,
In Ruhe gezähmt,
Senke ich meine Lippen in Ihren wartenden Schoß.
Trinke aus dem weichen Becher der Lust
Den berauschenden Wein.
Koste die Versprechung der gefüllten Feige,
Ergebe mich völlig im Eden der Lust.

Genieße die Speisen,
Dieser Fee aller Lüste,
Von der Tafel der Labsal die sie reichlich gedeckt,
Nehme endlich all die Gaben die sie spendet,
Lasse keinen Rest.
Friedlich vereint in den roten Teppich unsrer Liebe,
Erfüllt sich die Botschaft des wirklichen Glücks.

Das Glasperlenspiel
Erfüllt wieder die Zeit.
Ein friedlicher Wind beugt all die roten Köpfe,
Die Zeit fließt in die nahende Nacht.
Das Paar zog fort,
Vor fünfzig Jahren begann hier ihre Liebe,
Am Morgen pflanz' ich frischen Klatschmohn auf ihr Grab.

© Erich Romberg, September 1999

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Das Zentrum der Welt

Da sitze ich im Zentrum der Welt,
Spüre kreisend um mich die Elemente des Unverstands
Versuche zentrifugal mich von Ihnen zu lösen
Ins Unendliche zu schleudern die Macht der Ignoranz.
Und erhöhe die Frequenz der fesselnden Kreise
Mich von der Last der Dummheit zu befreien,
Spüre ihre Kraft, sie zieht mich hinaus,
Löst sie brutal mich aus dem Zentrum der Welt.
Erkenne die Geister meines Irrtums eskalieren,
Loszulassen habe ich nicht gelernt.
Gebe nun frei die Masse die mich bindet
Werde endlich ich ruhen im Zentrum der Welt.

© Erich Romberg, September 1999

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Dialog mit dem Teufel

Es geschah in der Nacht in den Stunden des Geistes,
Die nicht durch Form und Kalkül beschränkt.
Im Schatten der Seele entstand mir ein Zweifel,
Erfüllend den Raum umhüllt er mein Sein.

"Was willst Du?" so fragt ich das unholde Wesen.
Er antwortet mir mit grinsend Gesicht.
"Ich werde zerstören all das woran du glaubest,
Zerschmettern die Liebe, die Trauer, den Schmerz."

"Du möchtest vernichten was ich nicht habe?
Dein Drohen zerbirst auf kaltem Gestein."
"Ich werde Dir's lehren bevor ich zerstöre,
Was Du von Dir bis heute nicht weißt."

Ich verlachte laut den Geist mit der Fratze,
"Du Narr über mich hast du keine Macht.
Pack dich fort und suche den Geist der dir folget,
Elemente die tot sind kannst du nicht berühr`n."

"Ich weiß von dir", so sagt der Verneiner,
"Was du auf dem tiefsten Grund in dir trägst.
Den Schlüssel den hab ich und die ätzende Säure,
Zu erschließen dein Leid bevor ich`s vernicht`.

Ich hole aus dem Grab deines tiefsten Grundes,
Dein eigenes Kind was du lang schon vergaßt.
Ich zeig den toten Leib dir mit all seinen Wunden,
Die blutende Seele die niemals vernarbt.

Und wenn Du erkennst deine eigenen Leiden,
Ertrinkest an deinem eigenen Blut.
Zerstör` ich den Schmerz dir und töte die Liebe,
Vergrabe Dein Kind auf dem Grunde des Seins."

So sagt er und zeigt seine grässliche Fratze,
Verschwindet sodann in mein verwundetes Ich,
Der Morgen graut, ich erliege dem Zweifel,
Verliere das Leben und rette mein Kind.

© Erich Romberg, September 1999

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Schlafende Kleinstadt

Schlafend liegst du Kleinstadt,
so wie in grauer Zeit.
Deine Helden sind nie gestorben,
geboren wurden sie
schon lange nicht mehr.

Der Mut deiner Ahnen
liegt in der Unveränderlichkeit.
Selbst die Bewegungen stehen
eingefroren in den Straßen.

Die Stoßwelle der Zeit
ist über dich hinweggerollt,
das dritte Jahrtausend
findet anderswo statt.

Nur der Zeitreisende
sah den Tiefschlaf weichen,
das Schwanken des Traumfloßes
im Sturm des Zeiten-Gewitters

© April 2001


Heile Welt

Aus der Asche
steigt der Phönix,
einst Mensch gewesen.
Er ist vollkommen,
klagt nicht an,
schulmeistert nicht.
Die Schöpfung ist richtig:
Gut und böse,
gierig und bescheiden,
heilig und wollüstig;
Ying und Yang.
Er verbessert nicht mehr
diese Welt in Gedichten,
sie ist, wie sie ist:
Richtig und Falsch.
Er belehrt nicht mehr,
Gott und den Teufel.
Sie haben geschaffen,
Mensch und Phönix,
aus Wasser und Feuer.

© Mai 2003


Erich Romberg, Ireland
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